#038 - Der Arbeitsalltag eines CEO?

Wie verbringen CEOs ihren Arbeitsalltag und was machen die überhaupt? (Lesezeit: 6 min)


In der Vergangenheit konnte niemand so wirklich erklären, was die Unternehmensleiter wirklich so treiben. Was passiert hinter den verschlossenen Türen? Was machen die Manager den ganzen Tag? Mit wem unterhalten sie sich und worüber?

 

Antworten auf diese Fragen liefert die Studie von Nohria und Porter der Havard Business School, welche in der Juli-Ausgabe des Havard Business Review erschien. Die beiden Wissenschaftler haben 27 TOP-Manager (25 Männer, 2 Frauen) mit insgesamt 60.000 h untersucht. Jeder hat ca. 13 Wochen (> 3 Monate) in Schritten von 15 min seine Aktivitäten getrackt. Hier das Ergebnis:

 

Arbeitsalltag eines CEO, HBR - Nohria & Porter, 2018
Arbeitsalltag eines CEO, HBR - Nohria & Porter, 2018

Die tägliche Arbeitszeit beträgt 9,7 h am Werktag sowie 3,9 h am Wochenende und 2,4 h im Urlaub. Somit kommen die Geschäftsführer auf eine Arbeitswoche mit 62,5 h. Bei täglich nur 6,9 h Schlaf, bleiben schlussendlich 7,4 h für die Freizeit: 3,7 h (50%) für Familie, 2,1 h (30%) für Hobbies, TV oder Lesen, 45 min (10%) für Sport und 50 min (12%) für Sonstiges.

 

Schauen wir uns die Arbeitszeit genauer an:

  • Bei 37 Meetings pro Woche (72% der Arbeitszeit) verbringen die Geschäftsführer insgesamt 45 h pro Woche in Konferenzen. Innerhalb eines Jahres kommen somit 97,5 volle Tage zusammen! Die meisten Treffen finden face-to-face (61%) statt und nu 15% per Telefon bzw. Video. Jedes dritte Meeting dauert länger als eine Stunde und findet zu 42% in einer 1-zu-1-Konstellation statt.
  • Der zweite große Anteil ist die digitale Kommunikation. Emails machen somit einen Anteil von 24% der Arbeitszeit aus, was 15h pro Woche entspricht. Auf ein Jahr hochgerechnet kommen 32,5 volle Tage zusammen!
  • Alle anderen beruflichen Aktivitäten werden unter Sonstiges zusammengefasst und machen nur 4% des Arbeitsalltags aus.

Weitere sehr interessante Aspekte sind, dass 28% der Zeit alleine verbracht werden, um all die Meetings vor- bzw. nachzubereiten. Diese Zeiträume sind sehr gestückelt und zu 59% nur maximal 1 h lang. In 18% der Fälle sind es 2 h oder mehr. Des Weiteren sind insgesamt 75% der Termine bereits im Voraus ver-/geplant und somit bleiben nur 25% für spontane Aktionen. Grundsätzlich muss ihre Arbeitsumgebung nicht der Firmensitz sein. Sie arbeiten zu 47% ihrer Zeit im HQ und 53% außerhalb (Tochterfirmen, von unterwegs, zu Hause).

 

Soviele Zahlen...puuh, aber was können wir darauß lernen bzw. was wurde den Geschäftsführern geraten?

 

1. Bewussterer Umgang mit der Zeit!

Die CEOs sind ständig unter Strom und nur unterwegs. Die Wissenschaftler warnen davor, dass sie ein "Rennauto werden, welches ständig auf der Strecke ist und dann das zu Hause als 'Boxenstop' ansehen". Dies kann für den familiären Haussegen ins Kippeln bringen.

 

2. Meetings/Konferenzen rauben nicht nur Nerven sondern auch jede Menge Zeit!

Wie oben gezeigt, verbringen die CEOs viel Zeit in Meetings, weshalb hier viel Zeit eingespart werden kann. Grundsätzlich sind Standardmeetings zu kürzen. Manche sind sehr radikal und sagen: " Wünscht ein Angestellter ein einstündiges Meeting, gewähre ich ihm nur die Hälfte.". Ebenfalls können Regeln, klarere Strukturen und eine Vorbereitung der Teilnehmer die Effektivität der Versammlungen um einiges erhöhen! Schlussendlich ist die Notwendigkeit der persönlichen Anwesenheit zu prüfen - Sprichwort: Delegieren! Natürlich sollten alle Entscheider anwesend sein, da sonst keine Entscheidung getroffen werden können. Das ist reine Zeitverschwendung.

 

Wir haben während der großen Sitzungen des Studierendenrates die Gebärdensprache verwendet, um uns geräuschlos zu verständigen. Das ist am Anfang sehr sehr merkwürdig, aber äußert effektiv! Probiere es doch einmal aus.

 

3. Emails rauben Zeit, sind uneffektiv und ablenkend sowie nicht für Diskussionen geeignet!

Dies gilt besonders für FYI-Emails oder die, wo man nur in CC steht, welche meistens irrelevant sind! Ich empfehle eine Emailetikette bzw. einfache Regeln im Umgang mit der elektronischen Post. Wir benutzen ausschließlich die Betreffzeile bei unternehmensinternen Informationen: z.B. "RR Dr. Müller, 0123/4567890, Baustoffe". Somit ist für jeden klar, dass Dr. Müller um Rückruf bzgl. Baustoffe bittet und unter der angegebenen Nummer erreichbar ist. Des Weiteren sollten keine Diskussionen per Email geführt werden. Dies für zum berühmten Email-Ping-Pong. Einfach mal fix den Hörer in die Hand nehmen und anrufen!

 

4. Auf Reisen können Aufgaben delegiert werden!

Da die CEOs viel unterwegs sind ist die Delegation von Aufgaben und Anwesenheiten in Meeting ratsam. Natürlich ist dies mit großem Vertrauen verbunden, wobei internationale Videokonferenzen sehr einfach zu organisieren sind.

 

5. Die Agenda muss Struktur haben!

Ein bereits im Vorfeld, entsprechend den Prioritäten, geplanter Terminkalender steigert die Effektivität aufgrund seiner klaren Struktur. Hierbei können die Meetings sowie Freizeiten geblockt werden, um somit den Fokus zu erhöhen und die Ablenkungen zu minimieren.

 

 

Damit kommen wir zum Schlusswort:

Der Beruf des CEOs ist eine hoch komplexe und herausfordernde Rolle, welche durchaus schwierig gut umzusetzen ist! Der Erfolg des CEOs hat weitreichende Auswirkungen auf unterschiedliche Unternehmensbereiche, gut oder schlecht, intern und extern für Mitarbeiter, Kunden, Gemeinschaften uvm. Es ist wesentlich, dass sie lernen mit ihrer wertvollsten Ressource besser umzugehen: Der Zeit!

 

Wie ist das bei Dir? Bist Du Führungskraft oder hast Personalverantwortung und erkennst Dich in diesen Zahlen wieder? Was sind Deine größten Zeitfresser? Auf was könntest Du locker verzichten?

 

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Karl von #savinglifetime

 

 

Quelle - https://hbr.org/2018/07/the-leaders-calendar


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